KURZ BEVOR DIE FERIENTAGE IHREM ENDE ENTGEGEN GEHEN
2007

Künstlerhaus Bremen
von Stefanie Böttcher

An dem Birnbaum im Garten gegenüber ist bis heute eine Birne hängen geblieben; als es Zeit dafür war, ist sie nicht vom Ast gefallen. Die Birne könnte mein Vorbild werden: Auch ich möchte vergessen, worauf ich warte.
(Wilhelm Genazino)

In ihren Arbeiten spürt die Künstlerin Kathrin Horsch dem Warten und Erwarten nach. Sie bedient sich dabei diverser Medien – wie Film und Fotografie - sowie der Sprache und akustischer Töne. Ihre Werke muten wie Dokumentationen der Alltäglichkeit, gelegentlich fast wie Sozialstudien an, deren Entstehen auf einer Art Feldforschung basiert. Insbesondere ritualisierte Alltagsbegebenheiten und gleichförmige, sich stets wiederholende Situationen üben eine große Faszination auf die Künstlerin aus. Dabei werden die verschiedenen Spielarten des Alltags jedoch nicht als starre Muster oder Rahmen wahrgenommen. Im Gegenteil die Aneinanderreihung scheinbarer Belanglosigkeiten steigert deren Schönheit und Vielfältigkeit.
In den von ihr provozierten Situationen und Zuständen setzt Kathrin Horsch gezielt das Moment der Wiederholung ein. Dadurch erzeugt und schürt sie bei den Beteiligten und Rezipienten eine Erwartungshaltung, eine Spannung. Sie weckt die Sehnsucht nach Auflösung der Situation und ruft die Neugier auf ein besonderes Ereignis hervor. Doch dem Betrachter werden lediglich fragmentarische, dokumentarisch anmutende Teilstücke präsentiert, die durch die Verbindung untereinander in den Installationen wiederum eine neue, reale Situation und Umgebung schaffen. Durch den Verzicht auf eine progressive bzw. dynamische Entwicklung oder einen Erzählstrang innerhalb der Arbeiten und mittels Überzeichnung der Alltagsbegebenheiten rückt Horsch deren bisweilen humoristische Note und Schönheit oftmals erst ins Bewusstsein. Durch die Reduktion auf minimale, nur leicht variierende Dialoge poetisiert sie so unsere Gewohnheiten und deren Manifestation.
Die Ausstellung kurz bevor die Ferientage ihrem Ende entgegen gehen im Künstlerhaus Bremen ist die erste Einzelausstellung der Künstlerin und zeigt Arbeiten aus den letzten Jahren.